Ranking 2026: Heimwerker – Das sind die besten Online-Händler des Jahres

Köln. Fliesenoptik oder Landhausdiele? Mit einem Klick kann der Bodenbelag ebenso angepasst werden wie die Wandfarbe oder das Sofadesign. Mit dem Onlineraumplaner von Bauhaus lassen sich auch Bilder der eigenen Wohnung hochladen und so Ideen virtuell verwirklichen. Wer fündig wird, kann die nächste Filiale aufsuchen – oder die Ware direkt online bestellen.
Baumärkte fahren zweigleisig. Webauftritt und App schließen nahtlos an die stationären Märkte an und transferieren Beratungsleistungen ins Digitale. Bauhaus bietet online auch Services wie einen Arbeitsplattenkonfigurator oder einen individuellen Farbmischservice an. Zudem lassen sich Transporter, Anhänger oder Rasenmäher online zur Leihe reservieren.
Im Ranking der beliebtesten Onlineshops des Kölner Marktforschungsinstituts Servicevalue belegt Bauhaus in der Kategorie Baumärkte den Spitzenplatz. 1464 Onlinehändler aus 87 Branchen wurden untersucht. Weil die „Do it yourself“(DIY)-Branche seit jeher beratungsintensiv ist, hat sie noch immer eine stark stationäre Prägung.
Doch der Onlinehandel mache schon bis zu 20 Prozent des Umsatzes aus, sagt Peter Wüst, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB). Die erste Produktrecherche finde heute fast immer online statt. „Das gilt mittlerweile über alle Generationen hinweg.“
Für jüngere Kunden sind dabei auch Social-Media-Plattformen wie Instagram oder Pinterest eine wichtige Anlaufstelle für DIY-Ideen. Baumärkte oder Einrichtungshäuser bespielen diese Kanäle intensiv. „Bilder und Videos spielen in der Branche eine große Rolle“, sagt Wüst.
Aufwendige Online-Infos
Die Branche habe sich anfänglich schwergetan – wegen der teils sperrigen Waren, aber auch wegen der Vielzahl kleinteiliger Artikel und der komplexen Lieferantenstruktur mit zahlreichen mittelständischen Zulieferern. „Es ist für Händler eine Herausforderung, jeden einzelnen Artikel digital aufzubereiten – mit ansprechenden Fotos und exakten Daten aller Produktvarianten“, sagt Wüst.
Die DIY-Branche habe viel in Omnichannel-Strategien investiert, sagt Lars Hofacker, Leiter Forschungsbereich E-Commerce beim EHI Retail Institute in Köln. „Bei Click & Collect oder den Bonusprogrammen in der App verschwimmen die Grenzen zwischen stationär und online.“ Einige Händler haben ihre Shops zu Onlinemarktplätzen erweitert.
Obi und Bauhaus lassen über ihre Plattformen auch externe Händler und Partner Produkte verkaufen. Kunden profitieren von erweiterter Auswahl, die Baumärkte erhöhen den Onlinekundenverkehr ohne große Eigeninvestitionen und verdienen an Gebühren oder Provisionen. „Der Trend geht zu Plattformen als umfassenden Ökosystemen zu einem bestimmten Thema“, sagt Hofacker. Kunden suchen nach gut aufbereiteter Expertise und Praxistipps.
Der BHB initiierte schon im Jahr 2002 die DIY-Academy. Der von 27 Mitgliedsunternehmen aus der Heimwerkerbranche getragene Verein will Kunden mit Praxistipps zum Bauen, Renovieren oder Gärtnern inspirieren und schulen. Außer Kursen in Baumärkten bietet man heute individuelle Onlineberatungen an oder Seminare wie „Wände spachteln und verputzen“.
Zugleich wächst die Bedeutung technologischer Entscheidungshilfen. So könne man heute per Smartphone sein Zimmer vermessen, sagt Hofacker. In Zukunft könnten VR-Brillen noch realistischere Erlebnisse schaffen.
Telefonberatung als Ergänzung
Auch reine Onlineanbieter drängen in den Markt: Passandu aus Thüringen produziert maßgefertigte Möbel und vertreibt diese ausschließlich per Webshop.
Kunden können Schränke, Kommoden oder Regale in einem Konfigurator individuell entwerfen und das Ergebnis in einem virtuellen Raum von allen Seiten begutachten. Bei Bedarf wird per Telefonberatung unterstützt. Im Ranking von Servicevalue belegt Passandu den ersten Platz in der Kategorie Möbel nach Maß.
Solche Onlineprofis setzen meist auf die Nische. So begegnen sie Generalisten wie Amazon
Gleichzeitig gewinnen KI-Lösungen an Bedeutung. Der Trend gehe zu KI-gestützten Beratungstools, mit denen man sich wichtige Grundinfos sowie Einkaufslisten zu einem Projekt zusammenstellen lassen könne, sagt Wüst. Gleichwohl bleibe persönliche Beratung bei komplexeren Projekten wichtig.
Ein weiterer Zukunftstrend im Onlinehandel ist Agentic Commerce. Dabei übernehmen autonome KI-Agenten den Einkaufsprozess. Die Idee: Basierend auf geplanten Projekten oder Veranstaltungen suchen sie Produkte, vergleichen Preise und schließen Transaktionen ab. Daten zu Nutzerpräferenzen und früheren Einkäufen sind dabei entscheidend. „Die Händler experimentieren schon jetzt massiv mit KI in Verbindung mit Kundendaten“, sagt Hofacker.
Auch der Logistik kommt als Erfolgsfaktor immer mehr Bedeutung zu. Es gehe darum, die „letzte Meile“ zum Kunden zuverlässig zu bedienen, sagt Hofacker. Einige Webanbieter verfügen über eigene Flotten: Hinter der Plattform Baustoffshop.de stehen 23 mittelständische Baustoff-Fachhändler.
Der Shop kann bundesweit auf mehr als 700 Lkw und über 200 Warenlager zugreifen und verspricht schnelle und verlässliche Lieferungen nach Wunschtermin. Im Ranking erzielte der Anbieter in der Kategorie Baustoffe die höchste Beliebtheit.
Auch wenn vielen DIY-Kunden ein haptisches Erlebnis und eine Beratung vor Ort sehr wichtig seien – ganz ohne Webauftritt gehe es kaum noch, sagt Wüst. „Die Kunden erwarten auch von stationären Geschäften digitale Infos zur Verfügbarkeit von Waren.“ Für kleine Geschäfte ohne Filialnetz sei es eine große Herausforderung, die entsprechende Expertise im E-Commerce zu entwickeln.
Dass die ganz großen Player über alle Branchen hinweg im Vorteil sind, zeigt sich auch in einer aktuellen E-Commerce-Studie des EHI und der Plattform ECDB. Die zehn umsatzstärksten Shops machten – dominiert von Amazon auf Platz eins – mehr als ein Drittel des Onlinemarkts in Deutschland aus, sagt Hofacker.
Sie wachsen deutlich schneller als der Gesamtmarkt und sichern so immer größere Marktmacht. In den vergangenen Jahren habe es eine starke Konsolidierung gegeben, sagt Hofacker: eben auch, weil große Händler über die technologischen Ressourcen verfügen. Gleichzeitig werde Profitabilität im E-Commerce immer wichtiger. „Früher zählte Wachstum um jeden Preis, heute verlangt schon der Kapitalmarkt nach mehr Sicherheiten.“
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Doch auch die Großen müssen wachsam bleiben. Im vergangenen Jahr startete in Deutschland der Tiktok-Shop, eine E-Commerce-Funktion innerhalb der Social-Media-App. „Hier verkaufen bisher vor allem Markenhersteller, während Händler noch zurückhaltend sind“, sagt Hofacker. Auf lange Sicht könnten Händler sich solchen Entwicklungen kaum verschließen, wenn sie Kontakte zu jüngeren Zielgruppen nicht verlieren möchten.






